Trennung durch Schmerz und Kommunikation.

 

Kenntlichmachung von Kerngedanken

 

 

 

Ausgangspunkt:

Grenzüberschreitendste Täterhandlungen als Erinnerung (= Trauma).

 

[Auch im Folgenden handelt es sich um ein Wissen, das mehr und mehr in den öffentlichen Raum bereits gelangt ist, ausgehend von der Polyvagal-Theorie von Stephen Porches.]

 

Not

 

Das Trauma deformiert die Aufnahmerezeptoren zu gewaltig, als dass noch etwas gut und natürlich fließen und verarbeitet werden könnte.

 

Reaktion des Körpers: Er stellt die maximale Körperenergie bereit für diesen Todeskampf.

 

Für diesen Zeitraum ließe sich denken, derjenige sei ein anderer Mensch.

Doch im Innersten ist er das nicht.

 

Das System fährt maximal hoch, kann aber nicht handeln. Weil die Realität, auf die sich die Reaktion bezieht, seit Zeiten gar nicht mehr vorhanden ist. So wirkt derjenige entsprechend 'fremd' in der jeweiligen Umgebung.

 

Es handelt sich in seinen ganzen schweren Auswirkungen um Körperzustände.

Deswegen muss Heilung primär im Körper ansetzen.

Und nicht primär im Mentalen.

Du benötigst kein Konstrukt, um in Kontakt zu kommen, es trennt nur.

Du musst von dir etwas geben.

Es würde nur weiteres Leiden bringen: Die Verschmelzung mit einem mentalen Konstrukt, mit einer mentalen Zurechtlegung.

Andererseits: Die Macht der Vorstellung ist nicht zu unterschätzen.

Energie folgt auch der Aufmerksamkeit und der Vorstellung.

Vorgestellte Angst kann zu gewaltigen Körperreaktionen führen.

Also: Energie lässt sich auch in hohem Maße über den Geist erzeugen.

Und dennoch reicht sie in dem Fall nicht hin, um das körperliche Leiden einzugrenzen.

 

Wird etwas dieser Art erinnert, kommt es, wie auf Knopfdruck, auch zu einer Körperreaktion.

 

Das Primäre bei Zuständen dieser Art ist große Not. Unerträglicher Schmerz. So wie beim komplizierten Bruch eines Arms, nur anders. Das steckt dahinter, wenn nur – oder fälschlicherweise – von »Angst« oder einem »psychischen Problem« geredet wird.

 

Wurde der Zustand also durch extrem grenzüberschreitende Täter verursacht bzw. durch Erinnerung daran, ist das Wichtigste erst einmal, sich abzugrenzen, ja: sich abzuschotten. Damit das Nervensystem zur Ruhe kommt.

 

Es ist daran nichts verrückt, nichts »komisch« oder sonst etwas. Es sind Überlebensprogramme in einem Menschen, mehr oder weniger schützend, mehr oder weniger erfolglos, die aktiviert wurden.

 

2 Hauptmerkmale sind dabei festzuhalten:

 

1 Ein Stresspegel im Körper, der sich mit dem Willen kaum und nicht beeinflussen lässt.

2 Sich in einem Kontakt nicht wohlfühlen zu können.

 

In Beziehung wirklich in Kontakt gehen

 

heißt nicht, in Geschichten abzugleiten. Denn: Was sagen sie über dich und dich, über jemanden aus?

 

Sag:

 

Was fühlt dein Körper jetzt?

Woraus besteht jetzt dein Gefühl?

Was befindet sich jetzt in deinem Geist?

Sag nichts weiter.

 

Gehe nicht in den Vorwurf.

Flüchte nicht.

Lass Erstarrung in dir, möglichst, nicht zu.

 

Nimm alle Bereiche in dein Herz auf.

 

Greife nicht zurück auf die Verbalisierung einstigen Schmerzes.

 

Entlarve deine Projektionen, schaue sie an.

Teile sie mit.

 

Halte die vordergründige Realität nicht für die eigentliche Realität.

Motive und Motivationen für Handlungen liegen tiefer. Setze dort an.

 

Wenn erkannt wird, was im Innern wirkt, ist das bereits ein Gutteil der Veränderung.

 

Wenn du dich bloß abgrenzt, verlässt du den andern.

 

Sind zwei Menschen wirklich in Verbindung, geht das Mentale mehr und mehr und schließlich ganz zurück.

 

Kommuniziere – langsam.

Sonst geht es leicht in destruktive Richtung.

 

Kern und Handlungsmöglichkeiten bei dieser Art von Schmerz

 

Meldet sich einstiger Schmerz, bedeutet das immer, getrennt vom andern in der Gegenwart zu werden.

 

Das, was einst geschah, war, getrennt zu werden.

 

Das, was einst verhindert wurde, war Kontakt.

 

Wenn du alles allein lösen möchtest, lebst du weiter in dieser Verhinderung.

 

Am Beginn jeder Heilung stehen Verstehen und Verständnis.

 

Akute Realisation

 

Wird Erregung dieser Art in öffentlicher Situation oder in einer Gruppensituation zu stark, zu abgründig, dann

 

gehe aus dem Trigger heraus, indem du deine Aufmerksamkeit davon abziehst.

Lass ihn fallen.

 

Denn innerhalb des Triggers findet sich keine Lösung.

 

Ließest du dich immer wieder darauf ein, wäre es nur eine Endlosschleife.

 

Gehe gegebenenfalls aus der Situation raus.

 

Sonst wäre es so, dass dein System nur um den temporär nicht fassbaren und nicht integrierbaren Schmerz herum rotierte. Ohne in sich selbst und in einem anderen ankern zu können.

 

Im geschützten zwischenmenschlichen Raum, so in der Beziehung, können dann wieder weitere, andere Schritte begangen werden.

 

Dort ist der Schmerz einzubeziehen, sonst ist es kein volles In-Kontakt-Gehen.

 

Springst du nur von einem zum andern Gedanken, der das Schmerzzentrum auslässt, kommst du überhaupt nicht weiter. Kommt die Beziehung nicht weiter.

 

Zur Lösung gehört, nichts mehr zu verstecken.

 

Das heißt nicht, dass alles gesagt werden muss.

 

Es ist ebenso nötig wie es reicht, das, was erscheint, ausströmen zu lassen

So kann alles kommen und gehen.

 

Es ist gut – wie man weiß – Kontakt zu seinem Körper zu halten.

 

Widerstand

 

Akzeptiere, dass die Situation in diesem Moment ist, wie sie ist.

Augenblicklich mit allem eins sein, was in dir erscheint.

Baue – so weit dies möglich ist – keinen inneren Widerstand auf.

Dabei kann ebenso akzeptiert werden, Widerstand in sich zu spüren, baue keinen Widerstand gegen deinen Widerstand auf.

 

Erlaube allem in dir, da sein zu dürfen. Was es auch ist.

Dem Selbsttötungsgedanken, einfach allem.

Dem Täter, dem vermeintlichen Fehler, der zerplatzenden Begegnung. Der von Neuem misslingenden Begegnung. Alles darf sein und ausströmen

 

Denke nicht mehr: Das hätte nicht geschehen dürfen. Mach dich weiter. Öffne dich tiefer.

 

Der Widerstand nährt nur die Kraft dessen, was dir nicht guttut.

 

Akzeptiere sofort jede Situation, die eintritt.

 

Was eintritt, ist immer auch deine Interpretation von der Situation.

 

Was müde macht, ist der Widerstand gegen jemand und etwas.

 

Fixierung

 

Die Aufmerksamkeit treibt auf eine Fixierung zu. Es fühlt sich dort mitunter vertraut an. Es fühlt sich an, als ließe sich dort etwas lösen. Deswegen gehst du da weiter hinein. Aber es existieren in der Fixierung weder Vertrauen noch Lösung.

 

Lass die Fixierung los.

Dein Ego versucht dann, mit all seiner Macht, zuzugreifen. Als gäbe es nur das.

Als ginge es – es geht dann – um Sterben und Leben.

Zunächst um Aushalten von Haltlosigkeit: Wenn nach nichts mehr gegriffen werden kann.

Da befindet sich das wahrste Vertrauen deines Lebens.

 

Projektion

 

'Misslingt' ein Kontakt oder fühlt jemand sich bedrohlich an, ist das die Einsatzstelle für die Projektion.

Die Projektion ist eine Kopfgeburt, die sich letztlich oder sofort das maximal Schlimmste in einem System erschafft und ausmalt.

Sie stimmt oft nicht und nie ganz mit der Tatsächlichkeit überein.

Was aber ist »tatsächlich«?

Es gibt nur den Austausch, das ist ein (mehr oder weniger) fließender Strom, in ihm ereignet sich das Tatsächliche, das nicht überbewertet werden sollte.

Weil es nur aus der Dynamik des Austausches herrührt.

In jedem weiteren Austausch verändert werden kann.

Das Tatsächliche, das sich zwischen Menschen ereignet, wird dann wirklich problematisch, wenn es in Erstarrung gegossen wird.  

Eine Projektion wird immer größer, immer hinderlicher, wenn sie nicht durch Austausch upgedatet wird.

 

Selbsthass / Liebe

 

Selbsthass kann manchmal 'gerechtfertigt' und erleichternd sein.

 

Liebe bedeutet, fühlend mit einem 'kranken Bereich' in sich selbst und im andern umzugehen.

 

Liebe bedeutet, die Angst zu umhüllen, die Angst nicht mehr als Gegner anzusehen.

 

Die Angst – anzuschauen.

 

Angst erfindet Geschichten, die sind so gefährlich wie das zugrunde liegende Erlebnis.

Die erscheinen in der Gegenwart so real wie einst.

Aber es ist nur das Ungelöste, ein Trigger.

 

Wie viel Wut steckt in der Angst, besser gesagt: im Traumamaterial?

Mach langsam – in der Wut. Halt inne. Mache dir bewusst, was geschieht. Lass sie, Stück für Stück, ganz raus.

 

Das Traumamaterial trachtet danach, sich immer wieder selbst zu erschaffen. Darin ist es ein Meister.

 

Wenn es kommuniziert wird und Sicherheit signalisiert wird, geht vieles und auch die Angst ihrem Ende zu.

 

Sicherheit bedeutet: Beide übertreten die Grenzen des andern nicht.

 

Es geht um Ent-Identifizierung mit Phänomenen, die destruktiv einwirken.

 

Liebe bedeutet, in allem beim andern da sein zu dürfen.

Sich abzusprechen, sich zu verständigen.

 

Mitteilung der biographischen Geschichte

 

Es geht um die Beziehung selbst, nicht um das Mitgeteilte.

 

Sich 'seine Geschichte' zu erzählen, darin liegt kein Potenzial für Transformation.

 

Die Geschichte eines Menschen kommt eh in seiner Körperpräsenz zum Ausdruck.

In der Art, wie ein Mensch unmittelbar Freude kommunizieren kann

oder gegen seinen Willen Distanz aufbaut.

 

Leiden stellt Distanz her.

Es verstellt den Blick.

Dahinter findet sich: Angst vor Nähe.

Die Beschreibung des Leidens ist nicht das, worum es im Kern geht.

Es geht um verhinderte Nähe.

Es geht um Nähe.

 

Es geht nicht um die Heilung des Schmerzes.

Er ist das, was einem Menschen geblieben.

Er zeugt davon, was einem Menschen genommen wurde.

Der Schmerz ist auch Träger von Freude und Liebe einer ganzen Zeit.

Daher darf er nicht auch noch genommen werden.

Es gehört zu den großen Dummheiten, dies »wegtherapieren« zu wollen.  

Er braucht Raum.

 

Es geht aber auch darum, dem Schmerz einen Rahmen zu geben.

Um die Erarbeitung eines Wissens, dass da ein Ausgang ist.