10

 

 

Offenheit von Lichteinfall und Landschaft erforscht.

 

*

 

Angst – monströse Verzerrung –, so stark, dass sie nicht sehen lässt, Art Empathie-Defekt.

 

*

 

so was von erleichtert, dass ich zunächst einmal diese ungeheure Belastung mit dem Hund, dieses "Scheißvieh" vom Hals habe. Zugleich wimmelt es noch permanent in meinem Kopf herum, beansprucht das Gewissen.

 

*

 

mit stetiger Verbrämung konfrontiert gewesen zu sein

= etwas, das als negativ empfunden wurde, durch etwas, das als positiv bewertet wurde, abgeschwächt.

 

*

 

jenes Phänomen:

an sich selbst vollzogen, ist es Todsünde, es jemand zufügen, „nicht so schlimm“ –

 

*

 

manipuliert ganz schön mittels Sprache, z. B. so, indem maximales Urteil gegen sich vorweggenommen wird,

auf dass der andre davon absehen möge. 

 

*

 

stetig Grenzen setzen, sonst ist man verloren –

 

*

 

Da gibt es nichts mehr zu sagen, außer, dass ich inhaltlich im Recht bin –

 

*

 

Es wird nun diese Äußerung von Realität geprüft.

Und man wird sehen, sie sieht anders aus.

 

*

 

Diese Entscheidung darf nicht zu einem Mittel des Vorwurfs werden.

Es wäre das erste Mal in deinem Leben: deine Entscheidung. Mit ihr

alle Verantwortung selbst zu tragen.

 

*

 

jetzt, da es wirklich Verlust ist

wird man sehen, ob manches Wort

nur eingesetzt war.

 

*

 

sich erreichen, ist Glück

sich gemeinsam steuern

im Erreichen.

 

*

 

Menschen, denen so viel angetan wurde, dass sie nun selbst Angst machen

in jedem Ton – sonst würden sie untergehn?

 

*

 

Es läuft wirklich auf diese Entscheidung hinaus, zunächst nur für sich selbst nachvollziehbar:

entweder sie lebt mit dir oder mit ihrem Hund zusammen.

 

*

 

„ich würde jede Arbeit annehmen“ – sagte "Arbeitsvermittler" noch nach zwei Wochen am Urlaubsort.

Jede Persona im Zweifelsfall auslöschend.

 

*

 

Frau unter zwanzig, körperlich wohlausgebildet, lange Minuten in Nähe, auf jede Augendrehung von dir reagierend.

 

„gleiche“ Schüchternheit wie du.

 

 

11

 

 

Das Bett anschauen, nach all der Zeit, in dem ich so lange Jahre mit ihr lag.

 

*

 

das verlassene Kind in ihr.

 

*

 

Sackgasse eines Wohnviertels. Auf Augen gestoßen zwischen zwei Vorhängen, durchdringend und offenbar furchtbar verzweifelt.

 

*

 

gezwungen an diesem Ort – in solche entfremdende Materie.

 

*

 

Ich möchte dir zeigen,

daß der Horizont

durchaus aufgehen kann

wie ein riesiger Vorhang

 

Und es möglich ist

sich über den Rand der Welt zu beugen

Wo das Leuchten einer Sonnenblume

die Blüten des Tages erhellt

 

(Gioconda Belli)

 

*

 

mit allerbösesten Energien, die sich bilden würden, würde ich den Tätern in die Augen sehen. Bis sie nicht mehr können.

 

*

 

bewegen sich auf vor-programmierten Stahlbahnen, ob jemand rechts oder links davon zu Tode kommt, ist egal. Ist Triumph.

 

*

 

Erinnerung an eine Frau Ostrowski, weit über sechzig, 35 Jahre her, war im Krankentransport tätig, wollte nur mit mir fahren.

 

*

 

Fülle bedeutet

auch alle Angst-Regionen mitzuschleifen

im Fluss, der dann wie aussieht?

 

*

 

Es ist ja nicht nur der Hund, sondern dein Verhältnis zu ihm. Wäre dies nicht, ich hätte wohl bei dem, was ich an Problematiken zwischen uns nun überschaue, meine Fassung gewahrt.

Es wäre ein grundlegend anderer Verlauf geworden.

  

*

 

Energien gegen das Liebste richtet.

 

*

 

deine Kapazität dafür bereits aufgebraucht.

 

*

 

Eine sich erst entwickelt habende Persönlichkeitsschicht

 

konnte dann nicht mehr akzeptieren, wie ich einst handelte.

 

*

 

Ich vermisse dich sehr. Sehr. Insgesamt aber geht es mir besser hier. Das ewige Wimmeln von 4 Beinen in meinem Kopf hat etwas nachgelassen, ich habe hier mehr Bewegungsfreiraum und Ruhe und keinen Streit.

 

*

 

wenn etwas, das man nicht verträgt, zu nah, zu intensiv, zu dauerhaft.

 

*

 

verborgen im Dunkel des Versteckes

des nicht gewollten Wissens

bis wann? –

(Mario Luzi)

 

*

 

plötzlich steigt gut riechender Imbiss in die Nase

aus einer Diskothek in einer Nacht vor 35 Jahren.

 

*

 

Gesichter, die sich vor Anforderung ungut ausdehnen, aus denen Totenblässe herauswächst.

 

So kann das schnell sein, wenn man dem hier nachkommt.

 

 

12

 

 

Mandarinenduft einatmen

 

*

 

von welchen Gedanken man ein Stück getragen werden möchte

oder

welche direkt verlassen werden.

 

und die, die nicht verlassen werden können.

 

*

 

So, wie eine Traube im Mund zerspringt

und ihre Säfte gibt.

 

*

 

In der Schwebe halten

was zart ist

die Sehnsucht und 

die Freundschaft

 

Von Liebe träumen

wenn der Himmel

weit ist und

die Nacht unendlich

(Gerhard Rombach)

 

*

 

Zeuge zu werden bei dieser Umgangs-Art mit dem Hund verursacht schon mit dem ersten Gedanken Unlust und Übelkeit.

 

diese stetige Zeitenge dadurch und dann, als Ergebnis und Lohn dieser Bemühungen, "das Vieh" da hocken zu haben.

 

*

 

Erinnerung an „Fortbildung bei Firmen“.

So nackt ideologischen Verbiegungen ausgesetzt.

 

Der Punkt ist ja, dass es dort keinen HÖRRAUM gibt, keinen Raum für Gedanken- und Gefühls-Entwicklung, die – auch – den Menschen selbst dient. Diese wird in die Verborgenheit verbannt.

 

Deswegen läuft an solchen Stellen auch immer das Radio, ist irgendeine Aufregung oder Gewalt, irgendein scheinlustvoller Ersatz, weil es nicht gewünscht, ja verhindert wird, zu sich zu kommen.

 

Es geht um Öffnung von Gedanken und Gefühlen zu den inneren Schatzkammern.

 

*

 

in Nachhochgefühlen

 

*

 

„rückwärts leben“.

Noch mal die Tür aufzumachen, am Ende der Situation, die nun bekannt ist.

 

*

 

ich bin jetzt so sehr hier. So weit und so

nah.

 

*

 

Die unerträgliche Positivität des Seins

im Mainstream durch die Zeiten.

 

nicht-instrumentalisiertes Dunkel

 

*

 

Was ist denn der Nächste! – Was begreifen wir denn von unserm Nächsten als seine Grenzen, ich meine das, womit er sich auf und an uns gleichsam einzeichnet und eindrückt? Wir begreifen nichts von ihm als die Veränderungen an uns, deren Ursache er ist, – unser Wissen von ihm gleicht einem hohlen geformten Raume. Wir legen ihm die Empfindungen bei, die seine Handlungen in uns hervorrufen, und geben ihm so eine falsche, umgekehrte Positivität. Wir bilden ihn nach unsrer Kenntnis von uns, zu einem Satelliten unsres eigenen Systems: und wenn er uns leuchtet oder sich verfinstert, und wir von beidem die letzte Ursache sind, – so glauben wir doch das Gegenteil! Welt der Phantome, in der wir leben!

(Friedrich Nietzsche, Morgenröte)

 

Grenzen dieses Ausdrucks.

 

*

 

Das Gedächtnis im Altern betreibt gewisse Einebnungen.

Oder warum spüre ich vieles, wohl alles nicht mehr so, wie ich es doch spürte.

 

*

 

wenn es so geworden:

„Mich rührt da gar nichts mehr“, sagte er, „ich bin so genervt und geschädigt worden, ich könnte es nur noch in den Gully reintreten.“

 

So mag auch manche historische Zeitstelle ausgesehen haben, in der es

politisch umschlug.

 

*

 

Die Situation tickt stetig weiter und ich spüre, dass ich mit jedem weiteren Moment mich verschließe. Ich habe es selbst nicht gewollt, und ich kann schon selbst kaum mehr etwas daran machen.

Ich glaube nicht mehr daran, dass du die Situation auflöst – und nur du kannst es –, dass der Weg für uns bereitet würde.

Ich habe bereits einen Grad der Müdigkeit erreicht, eine Art Tönung in der Psyche, mit der ich mich sterben legen könnte.

 

*

 

Das Phobische, wenn es eintrifft, schieb es nicht weg, bemüh dich nicht mehr. Lass diesen Tod leben.

 

*

 

ist kaum auszuhalten, was an Blödsinn honoriert wird, während du nach all der Zeit, diesem Einsatz, fast „mittellos“ dastehst.

 

*

 

Die Vergangenheit ist in gewisser Hinsicht viel realistischer oder auf jeden Fall stabiler, stabiler als die Gegenwart. Die heutige Zeit gleitet wie Sand zwischen den Fingern, und bestimmt seine Materie nur in der Erinnerung daran. Im Gegensatz zu der Inschrift auf dem Solomon Ring, wie bekannt ist, dass "alles vergeht", ich möchte mich auf die Reversibilität der Zeit in ihrer ethischen Bedeutung konzentrieren. Die Zeit kann nicht ohne eine Spur verschwinden, weil es nur eine subjektive spirituelle Kategorie ist. Die Zeit, die von uns gelebt hat, legt sich in unserer Seelen Erfahrung, die sich in der Zeit befindet.

(Andrei Tarkowski)

 

*

 

das hellste und schönste Licht an diesem Oktobertag war nachmittags um 5.

Die Psyche wurde dem Himmelslicht ähnlich

und reiste in ihm

 

*

 

durch diese Schuld an dir

produzierte die Körperpsyche Befangenheit. Fangen.

So begann eine Ferne zum eignen Körper.

 

*

 

Erinnerung als Jugendlicher, erste Werktätigkeitserfahrung, so fremdes Geflacker, das sich übertrug, bei dem meine Liebe gar nicht mehr nach außen dringen konnte.

 

 

13

 

 

Teller und Tassen, die diese füreinander lieben Menschen, bevor sie zu Bett gehen, für sich zum Frühstück hinstellen.

 

*

 

                                                                          bin lang nicht verreist. Stand lang auf keinem mir unbekannten Berge. Ja schönes Gefühl, wenn ich es erinnre. All die unbekannten Gegenden, nach einem Aufbruch.

 

Dann Läden und Unterkunft, all das, was nur deswegen Lust machte, und keineswegs durchgängig, weil man es nicht kannte  .  .

 

*

 

mir steht oft wenig Vertrauen zur Verfügung, zuweilen gar keines.

 

Verzerrungen

hat das zur Folge.

 

*

 

gibt eine Wertschätzung jenseits von Kontakt.

 

*

 

Zu transformieren wäre weiterhin Folgendes: etwa 20 Personen, die sich absolut geschlossen und auf allen Ebenen feindlich einer Person – mir – gegenüber verhalten haben. 

 

 

Absolut geschlossen.

 

*

 

ich erinnere noch deine Schreie

 

Nehmen wir uns an die Hand, verbunden.

 

*

 

.  .  in mir gibt es auch die Stimme, die sagt: warum braucht man da wieder eine Gruppe. Um das zu lernen, was auch ein Embryo macht, die Hand nach dem andern auszustrecken, um zu tasten und den andern und sich zu fühlen

 

*

 

.  .  weißt du, ich habe so viele unglückliche Menschen vor Augen, die ich kenne, die sehr lieb ja liebevoll sind, die es aber nicht geschafft haben, eine Situation bereitzustellen, in der Beziehung (auf sie abgestimmt) wirklich möglich ist.

 

und weißt du, man sieht es ihnen nach ein paar Jahren an. Ich möchte und werde nicht dazugehören. Und dazu bedarf es etwas, das „Entschiedenheit“ genannt werden kann, vielleicht ist es auch das, was du „Strenge“ nennst.

 

 

.  .  zu Vereinbarungen kommen, mit denen es wahrscheinlicher wird, dass jeder für sich und wir zusammen zufriedener und geschützter werden.

 

*

 

sich nicht für seine "unvergleichlichen Unsagbarkeiten" zu schämen.

 

*

 

wenigstens in sich

in kein Urteil gehen.

 

*

 

Beim Zugriff auf die Zeit, die nun dreißig Jahre zurückliegt, tut sich so ein Hohlraum auf, das ist

 

die dazwischenliegende Zeit, das ist längstlängstlängst fehlende Anknüpfung.

 

*

 

„Paralysierung“ abbauen bei Schwelle zu jemand.

 

wie?

 

*

 

den Moment ergreifen, Kairos:

den andern überall

beim selbstbestimmenden Tanze fühlen.

 

*

 

beim Tanz Brust unterm Shirt zart gestreichelt erhalten.

 

*

 

Seelenaugentanz      

 

Seele zwischen den Augen

beim Tanze halten.

 

*

 

am andern Morgen in diesem halböffentlichen Raum mit ihr – Nichtpartnerin – auf Matratze liegen.

So nah ihre Augen, ihre Haut, ihre Strahlung, ihr Geruch, ihr Atem.

 

*

 

.  .  bohrt mit solcher Schwere, gerate in Hilflosigkeit, in solche Enge, Millionen von Möglichkeiten werden zu einer Unmöglichkeit.

 

 

bis zur inneren Raumlosigkeit, wo man explodiert.

 

*

 

Minotaurus = Mensch mit Stierkopf.

Mensch, ganz Instinkt, ganz Trieb.

Der Minotaurus lebt im Labyrinth.

 

*

 

entglitt so etwas wie „ich will jetzt mal meine Ruhe“, sie sah’s nicht situativ, sondern verletzungsbedingt absolut, in dem Sinne, dass sie störe. Womit sich alle Aufmerksamkeit auf sie verschob.

 

So verhält es sich mit seinen Bedürfnissen in ihrer Gegenwart.

 

*

 

Es fließt oft nicht mehr, ich fühle, dass ein Stück Hoffnung zwischen uns in mir gestorben.

 

*

 

Ihr Leib. Ihre Strahlung dringt

tief

in mich ein.

 

 

14

 

 

Die Stromlinien der Körper passen, greifen so sehr ineinander.

In ihre Wirbelsäule hinein zarteste Berührung.

 

*

 

welche waren einst – zu jeweiliger Zeit – deine

Hauptgedankenstränge?

 

*

 

Fall der Bürste mit ihren sanften Spitzen auf härtesten Boden, als zweite Person Dusche betritt, eine Frau. Die Scham, anerzogen-konditionierte. Hat auch bei dir – sensibel – besonders gewirkt.

 

Niederlagen, bevor überhaupt der erste Gedanke geformt werden konnte.

 

*

 

eine Schranktür nochmals aufgerissen, was alles dabei nicht geschätzt wurde.

 

*

 

Parkplatzgebühr. Dieses Gefühl, das einem hier gegeben wird, in [der] Ordnung zu sein. Verstellt all diejenigen Gefühle, worum es ginge.

 

*

 

Tanz in Erleuchtung hinein.

 

 

15

 

 

was das für eine Katastrophe ist, wenn es zwischen uns nicht fließt.

 

*

 

Stimm- und Persönlichkeitspotenziale.

 

*

 

sie möchte Freundschaft zu ihm aufbauen.

war verliebt in ihn. Längere Zeit.

warum zu einem Mann, der Frauen reihenweise „flachlegt“?

 

hat bestimmte seelische Disposition, die einnimmt und die er auszudrücken versteht

und Verführungsstrahlungen, die durch absolute Intaktheit seiner Augen realisiert wird

wenn die jeweilige Frau drin ist, ist sie drin.

 

*

 

Ich hab mit dem ganzen Murks seiner Eltern – in ihm – zu tun.

 

*

 

was kann er aufnehmen außerhalb seiner selbst?

 

*

 

trägst doppelte Last. Sie interpretiert zu oft ausschließlich aus ihren Kanälen.

Blendet aus, was in dir ist. Bekommst laufend deines nicht anerkannt und erhältst zu verstehen, sie nicht zu verstehen.

 

*

 

Wenn es darum geht, mich aufzunehmen, in Tiefe und Konsequenz

zu verstehen, sei das der Punkt, an dem sie sich schützen müsse.

 

*

 

Leucht-Erkennungs-Kontakt

 

 

16

 

 

Verhaltensfolge

1 ausschließlich von sich ausgehen, immer vom erfahrenen Unglück gedeckt.

2 Wahrnehmung des andern sehr weitgehend ausblenden.

3 zugleich wird anderes, werden andere gedeckt.

 

Nur einer bekommt es drüber – deswegen, weil er

 

Vertrauensperson wurde.

 

*

 

einer gut, andrer böse.

Ersterer im Grunde mit den scheußlichen Ergebnissen nichts zu tun hat, dies.

 

*

 

Angesichts seiner Liebe und seines Einsatzes waren das Weltuntergänge.

 

*

 

Etwas nach einer Nacht schrie in dir: „Rühr mich nicht mehr an!“

Weder körperlich noch geistig noch seelisch.

 

*

 

Ein Riesenproblem ist, dass ich so expressiv und du so wenig verträgst.

 

(Ich vertrag ja auch „nichts mehr“.)

 

Nachteile davon, Expressivität zurückzufahren oder gar einzustellen:

Je mehr ich nicht mehr sagen kann, desto weniger bin ich bereit zu teilen. –

 

*

 

ich krieg die Prügel deines Vaters. Vier Jahrzehnte später. Solche, die ich nie erfuhr.

 

*

 

einfach zu durchlässig für diese ganz primitiven Mechanismen.

 

*

 

Mail ohne Inhalt erschien.

 

*

 

Verteidigung      versus        Erleuchtung

 

*

 

in die offene Seele hinein geprügelt

 

*

 

könnte mir fast jede Differenzierung sparen. Werde in einer Weise vereinfacht dargestellt, dass die Äußerung beschädigt wird. So kommt etwas heraus, das dir zuspielt und mir nicht gerecht wird.

 

*

 

geschwärzt durch Beziehungskontakt. Jedes Mal, bevor es begann. Das ging nicht von mir aus.

Und dann höre ich auch noch: Die Gruppe hat sogar uns aufgefangen. In einem solchen „uns“ möchte ich nicht sein.

 

*

 

es waren Schläge

 

*

 

Lustgefühl kommt gar nicht mehr über den Berg Schmerz.

 

*

 

Ich habe aufgehört, dir alles zu sagen. Und das ist ein gewisses Ende.

 

*

 

mehr und mehr als Adressat wegfällt.

 

*

 

Hose anziehen, dieses Gefühl, es ist nicht die eigene, Vertrautheit zu sich selbst eines andern ahnen.

 

*

 

nah sitzen zu zweit. Schweigend, erschöpft, ausatmend

 

 

17

 

 

Wer stärkt mir den Rücken 

und wer sticht hinein

[...] und wer steht mir bei

(Diary of Dreams)

 

*

 

mit größtmöglich fehlendem Wohlwollen beobachtet werden

bei einer komplexen Handlung, die augenblicklich ansteht.

 

*

 

denkt sie längst, dass ich halt das bin, was ihr an „Partner“ möglich?

 

*

 

habe solche Angst vor ihr gehabt, dass sie alles dafür tat, es zu vertuschen.

 

*

 

dieser Ausbruch war nicht bloß etwas „Altes“, nichts Abgetrenntes. Ja, er enthielt ein paar alte Muster, nicht nur. Inhalt war aktuell.

 

*

 

Geschlossene Spirale der Lieblosigkeit

 

war es auch einst.

 

*

 

all die kargen Bilder, die schmerzten, gerieten zu einer einzigen Abstraktion der Unschärfe

 

so, dass sie nun wie aufgehoben wirken.

 

*

 

Wenn Du Dich verdrehst

und Dich selbst nicht verstehst

Lass mich einsam sein

Lass mich hier allein

Hier bin ich, wie ich bin

(Diary of Dreams)

 

*

 

Sprechen im Innern mit dir. Es spricht nun weit weniger. Und bricht oft resigniert ab.

 

 

18

 

 

„Das wagst du?“

„Klar, weil du es mit dir machen lässt.“

 

*

 

„Augen tief wie Ozeane“

 

*

 

ich beende die Beziehung nun nicht mehr, da ist kein Impuls mehr, sie ist beendet.

 

*

 

wird kleiner in ihm.

 

*

 

Ich finde, die Wahrheit ist Menschen nicht gerade immer zumutbar.

 

 eingebettet in Liebe.

 

*

 

Von ganzem Herzen kann ich nicht sagen, weil ich gerade keins mehr fühle.

 

Da ist nun so eine feine Trennlinie. Das, was „gestern“ war. Und das, was „heute“ ist.

 

[...] Das gilt auch für mein Weltverhältnis. Mir fällt Einzelnes auf, aber es dringt nicht mehr so richtig durch.

 

habe, wie ich festzustellen habe, sogar den fühlbaren Selbstbezug verloren.

 

Ein unfassbarer Rückschritt – angesichts dessen, was ich für Leben versucht und getan habe.

 

*

 

Ich lass mich los

Lass mich untergehen

Lass mich schweigend

Zu dir in die Tiefe sehen

(Diary of Dreams)

 

*

 

fühle bei der weiteren Wirkung dieser seelischen Schläge eine nervöse, angeschlagene Erregung unter einem Flaum von Ruhe, der sofort wieder zerstörbar wäre.

 

dieser Zustand ist kein Rückzug, sondern etwas anderes.

 

*

 

eine solche Menge von Blättern gefallen war, im überhellen Licht des Oktobers erstmals gesehen hatte

 

*

 

kann nicht mehr aufrichtig liebevollst und zärtlich sein.

 

*

 

Wirkungsweise von Wunden. Über x Jahre. Menschen, die „abgeschabt“ aussehen.

 

*

 

Hintergrund der Lieblosigkeit.

 

*

 

Was vom Tage übrig blieb

(Kazuo Ishiguro)

 

*

 

fühle, wie es alle paar Momente in mir auf sie losgeht.

 

sucht sich nun klein aufzurechnen.

 

zugleich dieser übergroße Wunsch, dir

nah zu sein. Was für eine Hölle !

 

Die Welle, die sich zurückzieht und entfernt

vom Ufer

wo sie aufbäumend und einstürzend

ihren Auftritt hatte

nicht wissend um die anderen

die ihr vorausgingen und ihr folgten

und die ihr Vorrücken und ihr Zurückweichen waren,

hat die Oberfläche verloren und ist, wieder eingehend

in die tiefen Wasser, zerflossen

(Patrizia Cavalli)

 

dass es immer weniger um Liebe geht   –

 

Erkenntnisse

ein paar Grade tiefer rutschen

erträglich werden lassen – 

 

*

 

kommt nicht zur Entfaltung der Potenziale?

 

*

 

das Thema ist nur deswegen so groß geworden, weil es ganz ausfiel.

 

*

 

 

du hattest mich ausdrücklich eingeladen, um mir Trost zu schenken.

sensibelste, verletzlichste Gefühle waren geweckt worden.

die Verknüpfung ist nicht mehr zu lösen, dass du

in jener Nacht Stunden verbal auf mich einprügeltest.

 

* * *      

 

 

„Eine absolute Kontraindikation verbietet die Maßnahme vollständig. Zum Beispiel darf ein Patient, der einmal allergisch auf Penicillin reagiert hat, die Substanz nicht mehr bekommen.“

 

Das gilt auch im Psychischen.

 

 

*

 

Auch das Phänomen der Übertragung gilt es weiterzudenken:

 

„Der Begriff der Übertragung stammt aus der Tiefenpsychologie, insbesondere der Psychoanalyse. Er bezeichnet dort den Vorgang, dass ein Mensch alte – oftmals verdrängte – Gefühle, Affekte, Erwartungen (insbesondere Rollenerwartungen), Wünsche und Befürchtungen aus der Kindheit unbewusst auf neue soziale Beziehungen überträgt und reaktiviert. Ursprünglich können diese Gefühle auf die Eltern oder Geschwister bezogen gewesen sein, bleiben aber auch nach der Ablösung aus dem Elternhaus in der Psyche präsent und wirken dort weiter. Dieser Vorgang ist zunächst weitestgehend normal und weit verbreitet, kann aber, wenn die übertragenen Gefühle sich gegenüber tatsächlichen gegenwärtigen Beziehungen als nicht angemessen erweisen, zu erheblichen Problemen und Spannungen führen.“

 

*

 

entscheidet autoritär

 

Absprachefamilie

 

*

 

welche Analysen kamen von dir?

 

 

19

 

 

Das Herbstlicht ist milder geworden. "Wie" ein alternder Mensch mit sanfteren Kräften. Solche, die etwas nicht mehr erreichen können.

 

*

 

Willst du, daß alles endet – daß nichts fortbesteht?

Daß jeder nun dem eignen Kram nachgeht?

Ich leg’ den Hörer neben’s Telefon und mach die Läden zu:

Die Nacht beginnt von vorne! Möchtest du?

(Patrizia Valduga)

 

*

 

Als ich auf dieser Bank saß, reicher Herbst um mich herum, war mir, bei einem Glockenklang, als hätte ich neue Ohren, ein anderes Vermögen erhalten.

 

*

 

Friede in den Fenstern der Leidenden,

die funkeln im Frost zwischen Scheinwerfern und Asphalt,

es regnet, im großen ungekannten Atem,

für die untergegangenen Brüder, für die,

die noch leben

(Roberto Mussapi)

 

*

 

langer Strahl ins Auge

eines andern.

 

*

 

je weniger Abgrenzungsaufwand

 

desto besser.

 

*

 

ja, viele Frauen kämen in Frage. Aber ihnen fehlt der innere Boden, den wir erwarben.

 

*

 

berühre jedes Mal, wenn ich dort eintreffe, ihr Freigefährt.

Als ich es diesmal tue, fängt irgendwo etwas zu sprechen an, so, als käme es aus dem Sitzteil, als habe sie zu mir gesprochen.

 

*

 

Tanz der Ausdehnung. Sich nach hinten fallen lassen und

 

von vier Händen gehalten werden.

 

*

 

Augen, so zart die Konstitutionen.

 

*

 

Augenerkennungskontakt